Teppichboden gibt es in fast allen Farben und Haptiken. Doch welcher Teppichboden ist für welche Beanspruchung geeignet und welche Herstellungsverfahren gibt es? In unserer zweiteiligen Wissenslexikon-Serie zum Thema Teppichboden erklären wir Ihnen die wichtigsten Begriffe rund um textile Bodenbeläge.

Im ersten Teil unserer Miniserie rund um Teppichboden haben Sie alles über Beanspruchungsklassen [Link zum Blog] erfahren. Nachdem Sie die für Ihren Raum die richtige Benutzungsklasse ausgewählt haben, kommt ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: die Optik und Haptik Ihres textilen Bodenbelags! Neben der Farbe ist dies für Konsumenten das wichtigste Kriterium, denn das Herstellungsverfahren beeinflusst die Optik und Haptik des Teppichbodens.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Tufting– und Webbelägen. Beginnen wir mit den häufigsten Begriffen, mit denen Sie bei Ihrem Fachhändler vor Ort konfrontiert werden:

Das Tufting (engl. Tuft = Büschel, Noppe) beruht auf dem Prinzip einer Nähmaschine und ist damit das maschinelle Einnähen von Polfäden mit Hilfe einer Vielzahl von nebeneinander angeordneten Nadeln in ein Trägermaterial (Vlies oder Bändchengewebe). Die Nadeln stechen durch das Trägermaterial, wobei unterhalb der Einstichplatte Greifer das Garn so lange festhalten, bis die Nadeln wieder nach oben in ihre Ausgangsstellung zurückgekehrt sind. Als Polmaterial können beim Tuften alle gängigen Garnmaterialien eingesetzt werden (z. B. Polyamid, Polypropylen, Wolle). Der Pol kann in zwei Ausführungen hergestellt werden (zum Vergrößern auf die Bilder klicken):

160711_Schlinge – Schlingenpol (Loop-Pile), hierbei bleibt der Pol geschlossen
160711_Velours – Schnittpol (Cut-Pile), auch Velours genannt.

Bei Velours handelt es sich also um Teppichböden mit aufgeschnittenen Schlingen. Die Oberseite besteht aus dem Flor, der in das Grundgewebe eingebunden ist. Die dicht geschlossene Oberfläche und ein weicher samtiger Griff sind besonders charakteristisch für Velours (aus dem Französischen für Samt).

160711_Saxony Ein Saxony ist ein hochwertiger und hochfloriger Tufting-Teppichboden mit verzwirnter, oben abgeschnittener Schlinge ab 10 mm Florhöhe. Das einzelne Garnende ist an der Oberfläche sichtbar und der Gesamteindruck ist kompakt.
160711_Frise Frisé (oder auch Kräuselvelours) bezeichnet Teppichböden, deren Pol aus hochgedrehten, fixierten Chemiefasergarnen besteht. Die Florhöhe ist mit ca. 10 mm höher als bei Veloursteppichböden. Nach dem Tuften werden die Schlingen aufgeschnitten. Aufgrund der starken Drehung des Garnes ist ein großer Teil der Polspitzen stark gekrümmt. Es entsteht der Eindruck einer Schlingen- und Veloursware mit lebhafter Oberflächenstruktur.
160711_Level Cut Loop Cut-Loop (Schnitt-Schlingenpol) ist eine Mischform aus Teppichboden-Strukturen (Hoch – Tief), also eine Kombination aus Velours- und Schlingen.
160711_Shag Shag oder Shaggy (engl. Shaggy = zottelig) ist die Bezeichnung für einen Hochflorvelours, der meist aus thermofixierten Zwirnen getuftet wurde. Durch die große Florhöhe von ca. 15 bis 50 mm wirkt der Pol leicht zottelig. Der Shag ist der Teppichboden mit der größten Florhöhe überhaupt.

Lassen wir den vielfältigen Bereich der Tuftbeläge hinter uns und wenden uns einer weiteren Herstellungsart zu – dem traditionellen Webteppichböden. Nach der Art der Herstellung können Webwaren unterteilt werden in Flachgewebe (zweidimensional) und Polteppichböden (dreidimensional).

160711_Flachgewebe Flachgewebe sind textile Bodenbeläge aus Kett- und Schussfäden ohne polbildendes Fadensystem. 160711_Polteppichboden

Polteppichböden hingegen bestehen aus einem Grundgewebe und einem Pol (Flor), wobei das Grundgewebe und die Polschicht in einem einzigen Arbeitsgang hergestellt werden. Polteppichböden können unterschiedliche Optiken wie zum Beispiel Velours oder Schlinge haben. Im Gegensatz zum Tufting entsteht hier das „Trägermaterial“ direkt im Webvorgang, während dies beim Tuften in einem eigenen Produktionsschritt hergestellt und dem Tuftprozess zugeführt werden muss. Da der Webprozess jedoch in der Regel langsamer abläuft als das Tuften, sind Webwaren in ihren Herstellungskosten oft teurer.

Zu guter Letzt gibt es noch Nadelvlies, der sich als textiler Bodenbelag in beanspruchten Bereichen, wie Eingangsbereiche, Korridore, im Messebau oder in Büros wiederfindet.

160711_Nadelvlies Unter einem Nadelvlies versteht man einen textilen Bodenbelag, der aus einer Wirrlage aus einer oder mehreren Schichten aufgebaut ist. Die Nutzschicht besteht überwiegend aus synthetischen, groben Stapelfasern, deren Zusammensetzung das Verschleißverhalten wesentlich beeinflussen.

 

Jetzt sind wieder Sie dran: Testen Sie Ihr Wissen! Erkennen Sie anhand des Fotos, um welches Herstellungsverfahren es sich handelt?

160711_Velours    160711_Flachgewebe    160711_Schlinge

 

 

Lösung:

Bild1: Velours

Bild2: Flachgewebe

Bild3: Schlinge

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